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prof bergmannFrith­jof Berg­mann woll­te nicht Pfar­rer wer­den und wan­derte aus Frith­jof Berg­manns Va­ter war pro­tes­tan­ti­scher Pfar­rer in Hall­statt in Ober­ös­ter­reich. „Er woll­te, dass ich Pfar­rer wer­de, ich woll­te aber nicht, das hat da­zu ge­führt, dass ich in die USA aus­ge­wan­dert bin“, er­zählt er. „Ich konn­te Nein sa­gen.“ Der eme­ri­tierte Pro­fes­sor für Phi­lo­so­phie  und An­thro­po­lo­gie an der Uni von Mi­chi­gan in Ann Ar­bour grün­dete 1984 die Be­we­gung „New­Work – New Cul­ture“, zu­nächst um den vie­len Men­schen, die nach der Schlie­ßung meh­re­rer Au­to­mo­bil­werke ih­ren Job ver­lo­ren hat­ten, ei­ne neue Per­spek­tive zu ge­ben. Im Zen­trum steht die For­de­rung nach ei­nem sinn­er­füll­ten und   selbst­be­stimm­ten Le­ben, bei dem die Men­schen dort, wo sie le­ben, de­zen­tral die Ar­beit tun, die sie wirk­lich tun möch­ten.

Die Per­so­nen­be­schrei­bung ent­stand im Zu­ge des Ar­ti­kels “Jun­ge sol­len das Un­ge­wöhn­li­che wa­gen” von Ka­rin Zau­ner von  SAMSTAG, 1. JUNI 2013 und ist in den Salz­bur­ger Nach­rich­ten er­schie­nen.

Wan­del. Der Phi­lo­soph Frith­jof Berg­mann wur­de oft be­lä­chelt. Heu­te sind Wirt­schafts­ka­pi­täne sehr nett zu ihm. KARIN ZAUNER

Lang und oft wur­den sei­ne Ide­en mit Kopf­schüt­teln be­dacht. Das quit­tierte Frith­jof Berg­mann stets mit dem Satz,  Kopf­schüt­teln sei gut für den Kreis­lauf. Doch mit dem Kopf­schüt­teln ist es vor­bei. Heu­te ho­len  sich Wirt­schafts­ka­pi­täne Rat bei dem 82-Jäh­ri­gen, wie et­wa je­ne bei Goog­le. Berg­mann war Tel­ler­wä­scher, Preis­bo­xer, Phi­lo­so­phie­pro­fes­sor in den USA und Grün­der der Zen­tren für „Neue Ar­beit“: Der ge­bür­tige Sach­se, der in Hall­statt in Ober­ös­ter­reich auf­ge­wach­sen ist, hat be­reits vor ei­nem Vier­tel­jahr­hun­dert auf Pro­bleme von heu­te auf­merk­sam ge­macht. Man sagt über ihn: Er ha­be et­was Pro­phe­ten­haf­tes. „Zu mei­ner ei­ge­nen Über­ra­schung pas­siert oft das, was  ich Jah­re zu­vor vor­aus­ge­sagt ha­be“, meint er im SN-In­ter­view.

SN: Sie sa­gen, die Men­schen müss­ten mit Freu­de ar­bei­ten und et­was für sie Sinn­vol­les tun. Das will wohl je­der. Aber wa­rum ge­lingt das so we­ni­gen?

Berg­mann: Wir  brau­chen ei­ne grund­sätz­lich an­dere Wirt­schaft. In der jet­zi­gen Wirt­schaft ist es nur in Aus­nah­me­fäl­len so, dass die Ar­beit die Men­schen er­füllt und be­geis­tert. Ar­beit kann er­schöp­fen, ver­bren­nen und tö­ten, aber sie kann den Men­schen auch Kraft und dem Le­ben Sinn ge­ben. Ich möch­te das mit ei­nem Bild er­klä­ren. Sex muss schon sehr gut sein, um je­man­den, der ge­rade mit Be­geis­te­rung an et­was ar­bei­tet, los­zu­rei­ßen. Sol­che Ar­beit müs­sen wir ha­ben. Mei­ne Ar­beit ziel­te im­mer dar­auf ab, dass ei­ne völ­lig an­dere Wirt­schaft nö­tig ist, auf die­ser Ba­sis kann dann die neue Or­ga­ni­sa­tion der Ar­beit ent­wi­ckelt wer­den. Und das ma­chen wir schon mit ei­ner Fül­le von Er­fol­gen. Oh­ne ei­ne  neue Wirt­schaft wird das aber nicht All­ge­mein­gut wer­den.

SN: Ihr Re­zept ge­gen Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit und Bil­lig­jobs  heißt, je­der Ort soll sei­ne ei­gene klei­ne Fa­brik ha­ben, al­so mehr auf Selbst­ver­sor­gung set­zen. Je­ne Fa­bri­ka­to­ren, die Sie schon vor ei­nem Jahr­zehnt be­schrie­ben ha­ben, gibt es heu­te in Form von 3-D-Dru­ckern auch für den  Haus­ge­brauch. Kom­men Sie mit Ih­ren Ide­en schön lang­sam ans Ziel?

Berg­mann: Die Neue Ar­beit braucht  ent­wi­ckelte neue Tech­no­lo­gien. Da­mit ist heu­te ei­ne ver­sor­gende Wirt­schaft mög­lich, al­so ei­ne­Wirt­schaft,  die­Men­schen un­ter­stützt, kräf­tigt und wei­ter­ent­wi­ckelt, vor al­lem die geis­tige Di­men­sion des Men­schen. Es geht um ei­ne Wirt­schaft, in der das Ma­te­ri­elle zum Ver­sor­gen dient. Die Mi­nia­tu­ri­sie­rung ist ein gro­ßer Fort­schritt und lässt  Mi­kro­fa­bri­ken zu. Mit Fa­bri­ka­to­ren kann man wohl kei­ne Boe­ing 747 her­stel­len und auch nicht Sei­den­strümpfe, aber sie kön­nen da­mit ei­ne Fül­le von Din­gen auf in­no­va­tive Art und Wei­se pro­du­zie­ren, und sie ha­ben die  Mög­lich­keit, Mi­kro­fa­bri­ken auf­zu­bauen. Wir kön­nen uns heu­te ei­ne Welt vor­stel­len, in der je­des Dorf ei­ne Fa­brik ha­ben kann, weil sie klein und güns­tig ge­wor­den ist.

SN: Kön­nen Sie kon­krete Bei­spiele für Pro­jekte der „Neu­en  Ar­beit“ be­schrei­ben?

Berg­mann: Vor ei­nem Jahr ha­ben wir in Steyr in Ober­ös­ter­reich ein Elek­tro­mo­tor­rad zum  Sel­ber­bauen auf die­ser Ba­sis ent­wor­fen. Es wur­de in ei­ner klei­nen Werk­statt zu­sam­men­ge­setzt. Da­zu hat ei­ne Grup­pe von Un­ter­neh­mern ein Kon­sor­tium ge­grün­det. Der Na­me des Mo­tor­rads ist „Der Stey­rer“. Die Ver­mark­tung  ist bis­her we­ni­ger ge­lun­gen als er­hofft. Aber auch das passt, denn es ist sei­ner Zeit vor­aus. Jetzt ar­beite ich sehr  in­ten­siv in De­troit. In Län­dern, in de­nen die Si­tua­tion schlech­ter ist, ist die Ak­zep­tanz der Neu­en Ar­beit viel grö­ßer  als in Län­dern, in de­nen es gut geht. In De­troit sind in den ver­gan­ge­nen Jah­ren 70 Pro­zent der Ar­bei­ter in der  Au­to­in­dus­trie ar­beits­los ge­wor­den. Und die Jobs kom­men nicht zu­rück. In De­troit ist man sehr nett zu mir. Man  hört mir zu, weil ich Bei­spiele da­für zur Hand ha­be, dass das, was un­glaub­lich schien, sich als rich­tig er­wie­sen hat.  Ich ha­be schon 1994 in De­troit mit den ur­ba­nen Gär­ten und der Ge­mü­se­pro­duk­tion an­ge­fan­gen.

Frü­her galt das als Schnaps­idee, heu­te ist De­troit be­kannt da­für und die ur­ba­nen Gär­ten sind welt­weit zu fin­den.

SN: Mei­nen Sie, in  Öster­reich geht es uns noch zu gut, als dass wir uns auf neue Ide­en ein­las­sen?

Berg­mann: Ich hof­fe, dass die Ant­wort  nein ist. In Öster­reich wird der Ein­druck er­weckt, es lau­fe al­les sehr gut. Doch es geht dem Land bei­Wei­tem nicht so  gut, wie es dar­ge­stellt wird. Schau­en Sie sich Ge­mein­de­fi­nan­zen, Kin­der­ar­mut oder Burn-out-Quo­ten an. Da­her glau­be ich an ei­nen ra­san­ten Um­schwung. Die Kri­se nach 2008 hat nicht ge­nügt. Et­was Ähn­li­ches in na­her Zu­kunft  wird aber grund­sätz­li­che Ver­än­de­rung brin­gen. In Vor­trä­gen in Deutsch­land und Öster­reich spre­che ich oft da­von,  dass Sie hier ei­ne schrump­fende Oa­se sind. Ich bin ge­rade für Öster­reich sehr pes­si­mis­tisch, dass es ei­nen Über­gang  in ei­ne neue Wirt­schafts­form fin­det. Öster­reich be­rei­tet sich we­ni­ger als je­des an­dere Land auf der­Welt auf  Ver­än­de­rung vor, weil es sich in der Si­cher­heit wiegt, dass sich seit Ma­ria The­re­sia nichts We­sent­li­ches ver­än­dert  hat.

SN: Wie ar­bei­ten wir in Zu­kunft?

Berg­mann: Wir le­ben in dem Pen­del zwi­schen Ent­we­der und Oder. Das  Ent­we­der ken­nen wir al­le, es kann ent­setz­lich wer­den, das Oder ist un­ge­schrie­ben. Man hat kaum ei­ne Idee von der  Al­ter­na­tive, das ist va­ge. Es sind haupt­säch­lich ein paar grü­ne Ide­en, die nicht so ernst ge­nom­men wer­den. Das  Grü­ne muss sich mit der Neu­en Ar­beit, der neu­en Wirt­schaft ver­knüp­fen. Un­sere Auf­gabe ist es, die Al­ter­na­tive  sicht­bar zu ma­chen. Da­zu dient der Be­griff der Dör­fer, in de­nen ei­ne Fa­brik steht, sehr gut. Wenn wir es klug  ma­chen, wer­den wir in Zu­kunft un­ge­fähr ein Drit­tel in der ver­sor­gen­den Öko­no­mie ar­bei­ten, al­so Ge­müse in ur­ba­nen Gär­ten pro­du­zie­ren oder elek­tri­sche Mo­tor­rä­der wie in Steyr. Je­der Mensch wird zwölf Stun­den in die­sem  Seg­ment ar­bei­ten. Dann wird er zu ei­nem Drit­tel in Un­ter­neh­men ar­bei­ten, die sich nach der Neu­en Ar­beit  aus­rich­ten. Denn wir wis­sen, dass die Ar­beit un­ver­gleich­lich bes­ser wird, wenn je­mand ei­ne Ar­beit tut, die er wirk­lich tun will. Wenn Men­schen das ar­bei­ten, was sie wol­len, ist ih­re Be­geis­te­rung un­gleich grö­ßer. Und das drit­te  Drit­tel wird der Mensch da­mit ver­brin­gen, das zu tun, was er schon im­mer tun woll­te, was schon im­mer sein Traum war.

SN: Wis­sen denn die Men­schen so ge­nau, was sie wirk­lich wol­len?

Berg­mann: Wir ha­ben ei­ne Ar­mut der  Be­gierde. Die Auf­gabe je­des Zen­trums für Neue Ar­beit ist es, das Wol­len raus­zu­kit­zeln, da­mit es für Men­schen kla­rer  wird, was sie tun möch­ten. Da­zu muss man die­Mög­lich­keit schaf­fen, vie­le un­ter­schied­li­che Din­ge  aus­zu­pro­bie­ren. Man kann das nicht durchs Knöp­fe­zäh­len her­aus­fin­den, son­dern nur durchs Ex­pe­ri­men­tie­ren. Hier  kri­ti­siere ich auch un­ser Ar­beits­sys­tem und die Schu­le. Denn die jün­gere Ge­ne­ra­tion wird nicht da­zu an­ge­hal­ten, Neu­es und Un­ge­wöhn­li­ches aus­zu­pro­bie­ren. El­tern ma­chen den Kin­dern kei­nen Mut, son­dern sa­gen: Macht et­was  Ver­nünf­ti­ges, et­was Rea­lis­ti­sches.

Der Ar­ti­kel “Jun­ge sol­len das Un­ge­wöhn­li­che wa­gen” von Ka­rin Zau­ner von  SAMSTAG, 1. JUNI 2013 ist in den Salz­bur­ger Nach­rich­ten er­schie­nen und wur­de un­se­rem Ver­ein mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung als Blog­bei­trag frei­ge­ge­ben.

Fberg­mann

Zum The­ma, wie le­ben wir die Neue Ar­beit prak­tisch in un­se­rer Stadt, das In­ter­view mit Chris­ti­ne Nord­mann von Mi­cha­el Bon­ke, Sun­pod, Op­ti­mist und So­lar­gour­met.

Neue Arbeit – die Arbeit, die ich tun will.

Es gibt nicht mehr so viel Ar­beit, die not­wen­dig ist und zum Le­ben bei­trägt. Vor nur 100 Jah­ren ar­bei­te­ten 70% al­ler Men­schen in der Land­wirt­schaft, heu­te sind es 3% und den größ­ten Teil ma­chen Ma­schi­nen, die dann die Kar­tof­feln auf dem Feld nach Norm­grö­ßen aus­sor­tie­ren. Der „Rest“ wird wie­der un­ter­ge­pflügt oder in­zwi­schen ge­neh­migt von Men­schen für den ei­ge­nen drin­gen­den Be­darf von Hand aus­ge­bud­delt. Es wird ein Drit­tel über­pro­du­ziert und dann ver­nich­tet. Ganz schön ver­rückt.

Dies ist nur ein Bei­spiel, aber auch im Dienst­leis­tungs­be­reich wer­den die hoch­tech­ni­schen Müll­ent­sor­gungs­fahr­zeu­ge in­zwi­schen so mit Com­pu­ter-Wis­sen aus­ge­stat­tet, dass nur noch ein Fah­rer nö­tig ist und der Fahr­zeug-Com­pu­ter ist in der La­ge, die Ton­ne zu or­ten, zu grei­fen und zu ent­lee­ren. Klar, das ist kei­ne Ar­beit, die je­der tun will. Aber wie war das frü­her? Es gab den häus­li­chen Kom­post­hau­fen und die Ab­fäl­le wur­den nicht ab­trans­por­tiert son­dern wie­der zu Hu­mus ver­wan­delt dem Bo­den zu­ge­führt. Milch wur­de in Milch­kan­nen beim Bau­ern ge­holt zu Zei­ten wenn die Kü­he von der Wei­de ka­men und im Stall ge­mol­ken wur­den. Ein­ge­kauft wur­de im La­den um die Ecke, wo die Din­ge lo­se in Pa­pier­tü­ten ge­füllt und ab­ge­wo­gen wur­den. Es gab sehr we­nig Ab­fall­pro­duk­te.

 

Ar­beit, die man “wirk­lich wirk­lich tun” möch­te ent­fal­tet un­glaub­li­che Krea­ti­vi­tät und Schaf­fens­kraft.

 

Wir sit­zen aber in Fa­bri­ken an Fliess­bän­dern, an Com­pu­tern, an Te­le­fo­nen und Schreib­ti­schen und er­ar­bei­ten meis­tens Teil­be­rei­che von manch­mal über­flüs­si­gen Pro­duk­tio­nen und das Gan­ze er­le­ben wir kaum. Die Re­ga­le in den Ge­schäf­ten sind bre­chend voll mit Zeug, das nie­mand braucht und will und auch nicht kau­fen kann. Prof. Götz Wer­ner sagt da­zu, dass wir ei­nes Ta­ges viel­leicht vor vol­len Lä­den ver­hun­gern. Wir er­le­ben auch nur sel­ten den Ver­brau­cher und sein Ver­hal­ten, sei­ne Be­dürf­nis­se. Das le­sen wir dann al­len­falls in der Zei­tung weit ent­fernt von uns selbst. Auch in obers­ter Ebe­ne der Wirt­schaft und Po­li­tik sind die Zu­sam­men­hän­ge weit weg von den ei­gent­li­chen Be­dürf­nis­sen des Men­schen und schlim­mer noch, es wer­den Ent­schei­dun­gen im Fi­nanz­we­sen ge­trof­fen bei de­nen die Struk­tu­ren nicht mal von Fach­leu­ten noch durch­drun­gen wer­den kön­nen und könn­ten da­mit auch durch­aus au­ßer Kon­trol­le ge­ra­ten.

War­um nicht wie­der da­hin kom­men, was wir ei­gent­lich lie­ben und wirk­lich wirk­lich tun wol­len, was uns gut tut und wir auch ei­gent­lich nur brau­chen?

Zum Beispiel:

Drei jun­ge Leu­te in Eng­land, Ri­chard, John und Adam, hat­ten ein An­lie­gen: et­was Ge­sun­des her­zu­stel­len, das gut schmeckt und den vie­len Men­schen gut tut. So ha­ben sie im Som­mer 1998 auf ei­nem Jazz-Fes­ti­val in Lon­don fri­schen Frucht­saft her­ge­stellt, di­rekt vor Ort ge­presst und den Be­su­chern ver­kauft. Sie ha­ben 2 Ab­fall­ton­nen für die klei­nen Fläsch­chen hin­ge­stellt und ge­fragt, sol­len wir uns mit die­sem An­ge­bot selbst­stän­dig ma­chen? Ei­ne Ton­ne war mit JA be­zeich­net und ei­ne mit NEIN. Am Abend war die Ton­ne mit JA voll und sie ha­ben am nächs­ten Mor­gen ih­re fes­te An­stel­lung auf­ge­ge­ben und ha­ben die­ses Ge­schäft ge­star­tet.

 

Heu­te ist es ein Un­ter­neh­men mit dem Na­men In­no­cent  und in Eng­land kann man in je­dem Kühl­re­gal nicht nur die klei­nen Frucht­säf­te son­dern auch die klei­ne Mahl­zeit zur Mit­tags­zeit kau­fen. Ih­re Wer­te sind: na­tür­li­che und fai­re Früch­te und Ge­mü­se, nach­hal­ti­ge Ver­pa­ckung und Pro­duk­ti­on, Ge­win­ne tei­len – auch mit den Men­schen, die das Obst an­bau­en. Ih­re Stif­tung 2004 ge­grün­det, un­ter­stützt dort Ent­wick­lungs­pro­jek­te. Sie möch­ten die­se Welt et­was bes­ser ver­las­sen, als sie sie vor­ge­fun­den ha­ben.

http://​www​.in​no​c​ent​drinks​.de/​u​e​b​e​r​_​u​ns/

Für die Win­ter­ak­ti­on stri­cken Deutsch­land, Ös­ter­reich und die Schweiz ins­ge­samt ca. 500.000 Woll­mütz­chen für die Saft­fläsch­chen und je ver­kauf­ter Fla­sche wer­den 30 Cent ge­spen­det und auch vie­le äl­te­re Men­schen ha­ben ei­ne lus­ti­ge Ar­beit, die Gu­tes tut und ei­ne Rei­he von Wett­be­wer­ben und An­re­gun­gen nach sich zieht.

Zum Beispiel:

Ein klei­ner Jun­ge hat im Krieg in Sie­ben­bür­gen sei­ne Fa­mi­lie mit Mut­ter, Tan­ten, Schwes­ter oh­ne Va­ter ver­sorgt mit Pil­zen aus dem Rie­sen­ge­bir­ge und Fi­schen aus der El­be in Tsche­chi­en und hat Schu­he ge­näht für Be­sat­zer, hat aus Rui­nen wie­der Häu­ser ge­baut, hat Obst auf dem Markt ver­kauf, war spä­ter Bar­kee­per auf Nord­see In­seln. Aus dem Be­darf her­aus wur­de er krea­tiv. Spä­ter über­nahm er die Ver­tre­tung ei­ner Leuch­ten­fir­ma Staff und Schwarz in Düs­sel­dorf. Ei­nes Ta­ge be­geg­ne­te ihm am Fahr­stuhl ein Ar­chi­tekt aus Is­tan­bul und er über­zeug­te und be­kam als Au­to­di­dakt den Auf­trag für die Be­leuch­tung der Oper dort. So folg­te ein Ob­jekt dem an­de­ren und in den 68ern ent­stand die Be­leuch­tung der Com­merz­bank in Düs­sel­dorf, die statt ei­ner ab­ge­häng­ten De­cke gro­ße run­de Alu­mi­ni­um Re­flek­to­ren mit ver­spie­gel­ter Glüh­lam­pe be­ka­men und di­rekt am So­ckel der Glüh­lam­pe, die 1% Hel­lig­keit und 99% Wär­me er­zeugt, wur­de die Wär­me in Roh­re ge­saugt und zur Be­hei­zung der Kas­sen­hal­le ver­wen­det. In die­sen Jah­ren hat noch nie­mand an En­er­gie spa­ren ge­dacht. Es folg­ten Flug­hä­fen in al­ler Welt, Kir­chen, Mu­se­en und Ver­wal­tungs­ge­bäu­de. Im Flug­ha­fen Han­no­ver wur­de die Be­leuch­tung völ­lig ein­ge­spart  und statt­des­sen die be­leuch­te­te Wer­bung auch für All­ge­mein­licht kon­zi­piert.

Heu­te gibt es die Fir­ma Din­ne­bier-Licht seit über 50 Jah­ren noch im­mer in Ein­fach­heit und  Qua­li­tät ei­ner Ma­nu­fak­tur und Ef­fi­zi­enz ei­nen Schritt vor­aus. Der klei­ne Jun­ge von da­mals, Jo­han­nes Din­ne­bier ist heu­te 84 Jah­re und im­mer noch mit da­bei. „Ich ha­be im­mer nur ge­spielt“ ist die Zu­sam­men­fas­sung sei­nes Le­bens bei ei­nem Vor­trag von Schul­ab­gän­gern in der Wal­dorf­schu­le.

Zum Beispiel:

Ro­bert und Mar­co woll­ten vor zwei Jah­ren nicht wei­ter am Com­pu­ter für den „Fort­schritt“ ar­bei­ten und pach­te­ten von der Stadt Ber­lin ei­ne 6000 m² gro­ße Brach­flä­che am Mo­ritz­platz. Mit vie­len Hel­fern ha­ben sie ei­ne Gar­ten mit­ten in der Stadt an­ge­legt, der die Ver­sor­gung mit Ge­mü­se, Kar­tof­feln, Sa­lat, Bie­nen­ho­nig, Früch­ten für al­le mög­lich macht und, der ei­nen Ort der Be­geg­nung, des Er­fah­rungs­aus­tauschs, des zu­sam­men Ler­nens wie man lo­kal Le­bens­mit­tel her­stellt und auch gleich ver­kocht und ei­ne herr­li­che Spei­se­kar­te für den Som­mer er­mög­licht.

Es gibt freund­li­che Un­ter­stüt­zer und Spon­so­ren und ge­mein­nüt­zi­ge Ein­rich­tun­gen, die er­kannt ha­ben, welch neue ge­sell­schaft­li­che Lern-Or­te die­se In­itia­ti­ve er­mög­licht. Kreuz­berg hat ver­dich­tet so­zia­le Pro­ble­me und al­te Kul­tur-Viel­falt macht Neu­es mög­lich. Al­le ar­bei­ten zu­sam­men an al­lem und kei­ner hat sein ei­ge­nes Beet.

In­zwi­schen un­ter­stüt­zen die bei­den Grün­der In­itia­ti­ven in an­de­ren Städ­ten, ver­wan­delt das Heb­bel Thea­ter und ist auf der Welt­aus­stel­lung in Shang­hai 2011vertreten.

Und das al­les am En­de ei­ner zwei­ten Som­mer­zeit. www​.prin​zes​sin​nen​gar​ten​.net

So las­sen sich man­che über­zeug­te und auch mu­ti­ge In­itia­ti­ven auf­zäh­len. Je­der ein­zel­ne kann auf sei­ne per­sön­li­che Ent­de­ckungs­rei­se ge­hen – manch­mal gar nicht weit nur wach­sam und ein­fühl­sam rechts und links schau­en.

Für die­se ers­te Grün­dung wer­den Kre­dit­an­trä­ge oder Grün­dungs­zu­schüs­sen nicht vie­le Chan­cen ha­ben. Sich lang­sam und so­li­de et­was auf­zu­bau­en, da­mit ei­nen Über­gang zu schaf­fen, ist so­wie­so viel ge­sün­der. Teil­zeit­wün­sche müs­sen von Un­ter­neh­men mit über 15 Mit­ar­bei­tern ge­währt wer­den.

Viel­leicht ist es ein klei­ner Trost, aber ein be­son­ders gro­ßes Ge­halt ist manch­mal auch ei­ne Art Schmer­zens­geld weil man sich selbst so fremd ist.

(Ar­ti­kel von Chris­ti­ne Nord­mann, Feb. 2012)

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